Die Wochenstube des Grossen Mausohrs in St. Ottilien
Geburtsabteilung 1. Stock, Zimmer Süd, St. Ottilien
Im Winter ist der Kapellenestrich in St. Ottilien verwaist. Ab Ende März kehren die Grossen Mausohren in den vertrauten Dachstock zurück. Hier sind sie geboren, hier verbringen sie jeden weiteren Sommer ihres Lebens. Es sind ausschliesslich Weibchen, die sich mit ihren kräftigen Hinterfüssen und grossen Krallen an die Dachkonstruktion des Estrichs hängen. Sie rücken nahe zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Wärme beschleunigt die Entwicklung der Jungen im Mutterleib. In dieser Gesellschaft, Wochenstube genannt, bringen die Mütter ihre Jungen zur Welt. Ungefähr sechs Wochen werden die Kleinen gesäugt, bis sie flugfähig sind. Während die Mütter nachts zur Beutejagd fliegen, bleiben die Jungen in der geschützten Wochenstube zurück. Sie lernen sich gegenseitig kennen, betreiben Körperpflege und bereiten sich mit ersten Flugübungen auf den eigenen Nahrungserwerb vor.
Mutter als Coach
Ende Juli kommt der grosse Augenblick: die Jungen fliegen erstmals mit den Müttern zur nächtlichen Jagd. Es gilt, die Leibspeisen der Grossen Mausohren aufzuspüren: Laufkäfer, Maikäfer, Schnacken. Mausohren jagen auf abgemähten Wiesen und im Wald ohne Unterholz.
Ab September machen sich die selbständigen und hoffentlich ordentlich fettgefressenen Mausohren auf den Weg in die Winterquartiere. Diese Überwinterungsplätze können oft ein gutes Stück von den Sommerquartieren entfernt liegen. Von den Mausohren in St. Ottilien hat man aber keine Kenntnisse davon, wo sie den Winter verbringen.
Warum viel Fett von Vorteil ist
Mitte November bis Ende Februar verkriechen sich die Mausohren einzeln oder in Gruppen in störungsfreie Winterquartiere. In diesen Höhlen, Kellern und Stollen mit konstanter Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit fallen die Tiere in einen Winterschlaf. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, um den kalten und insektenarmen Winter überstehen zu können. Jetzt bedeutet viel Fett eine gute Überlebenschance.
Stolze Kolonie in St. Ottilien
Von den fünf bekannten Mausohr-Quartieren im Kanton Luzern darf sich St. Ottilien sehen lassen: der tendenziell stabilen Kolonie gehören rund 500 erwachsene Tiere an. Ein Teil davon bringt jährlich ein Junges zur Welt. Fliegt der Nachwuchs Ende Juli/Anfangs August mit den Müttern auf Nahrungssuche, kann die Individuenzahl auf stolze 700 ansteigen.
Das Grosse Mausohr (myotis myotis) in Zahlen
Grösste einheimische Fledermausart
Spannweite: 35-45 cm
Gewicht: 20–40g
Durchschnittsalter: 2-4 Jahre
Dokumentiertes Höchstalter: 22 Jahre
Zu Besuch bei den Mausohren in St. Ottilien
Seit 2007 ermöglichen drei Kameras im Estrich der Kapelle einen Live-Einblick in die Wochenstube. Ein Monitor beim Pilgerstübli St. Ottilien überträgt das Geschehen im Estrich und Informationen zur Kolonie. Auch via Youtube kann das Leben im Estrich verfolgt werden. Mausohr Kolonie St. Ottilien
Haben Sie Interesse an informativen Präsentationen zur Mausohrkolonie? Möchten Sie eine abendliche Ausflugsbeobachtung bei der Kapelle St. Ottilien miterleben?
Melden Sie sich bei den Quartierbetreuenden Madeleine und Bruno Studer, Ruswil.
041/ 495 26 19 oder 077/ 442 98 01, mabrustuder@sunrise.ch
Links
Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz (SSF) www.fledermausschutz.ch
Luzerner Fledermausschutz www.fledermaus.info/Luzern