Fledermäuse

Phantastische und auch unheimliche Vorstellungen ranken sich um die Fledermäuse, die leicht und elegant durch das Dunkel der Nacht fliegen. Welcher Stolz, dass eine Art aus dieser Tiergruppe - das Grosse Mausohr – im Kapellen-Estrich von St. Ottilien Quartier bezogen hat! Jeweils im Sommer ziehen über 500 Weibchen dort ihre Jungen auf. Es ist dies die grösste der fünf Mausohrwochenstuben im Kanton Luzern.

Grosse Mausohren sind typische Kirchenbewohner und mit mehr als 40 cm Spannweite unsere grössten einheimischen Fledermäuse. Mehr als 20 Jahre alt können Grosse Mausohren werden. Zeitlebens und über Generationen hinweg ziehen Weibchen ihre Jungen im selben Dachstock auf.

Es ist ein besonderes Schauspiel, nach Sonnenuntergang während einer halben Stunde hunderte von ausfliegenden Tieren zu beobachten. Regelmässig werden die Ausflüge gezählt. An einem schönen Sommerabend ist nebst einem stimmungsvollen Sonnenuntergang ein eindrückliches Erlebnis mit den ausfliegenden Mausohrscharen garantiert.

Quelle: https://www.nv-ruswil.ch/NVR-Archiv_1992-2003/Inhalt/NVR_Objekt_Ottilien.html

Zum Hören: Fledermaus-Lied des Engelberger/Buttisholzer Singers und Songwriters Richard Blatter alias ELRITSCHI (Singer, Songwriter, Bühnentiger - ELRITSCHI) zu den Fledermäusen in St. Ottilien. Ausgestrahlt im Regionaljournal Zentralschweiz von Radio SRF1 am 16.12.2024. Wir danken ELRITSCHI herzlich für die Freigabe auf unserer Website.


Die Wochenstube des Grossen Mausohrs in St. Ottilien 

Geburtsabteilung 1. Stock, Zimmer Süd, St. Ottilien

Im Winter ist der Kapellenestrich in St. Ottilien verwaist. Ab Ende März kehren die Grossen Mausohren in den vertrauten Dachstock zurück. Hier sind sie geboren, hier verbringen sie jeden weiteren Sommer ihres Lebens. Es sind ausschliesslich Weibchen, die sich mit ihren kräftigen Hinterfüssen und grossen Krallen an die Dachkonstruktion des Estrichs hängen. Sie rücken nahe zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Wärme beschleunigt die Entwicklung der Jungen im Mutterleib. In dieser Gesellschaft, Wochenstube genannt, bringen die Mütter ihre Jungen zur Welt. Ungefähr sechs Wochen werden die Kleinen gesäugt, bis sie flugfähig sind. Während die Mütter nachts zur Beutejagd fliegen, bleiben die Jungen in der geschützten Wochenstube zurück. Sie lernen sich gegenseitig kennen, betreiben Körperpflege und bereiten sich mit ersten Flugübungen auf den eigenen Nahrungserwerb vor.

 

Mutter als Coach 

Ende Juli kommt der grosse Augenblick: die Jungen fliegen erstmals mit den Müttern zur nächtlichen Jagd. Es gilt, die Leibspeisen der Grossen Mausohren aufzuspüren: Laufkäfer, Maikäfer, Schnacken. Mausohren jagen auf abgemähten Wiesen und im Wald ohne Unterholz. 

 

Ab September machen sich die selbständigen und hoffentlich ordentlich fettgefressenen Mausohren auf den Weg in die Winterquartiere. Diese Überwinterungsplätze können oft ein gutes Stück von den Sommerquartieren entfernt liegen. Von den Mausohren in St. Ottilien hat man aber keine Kenntnisse davon, wo sie den Winter verbringen. 

 

Warum viel Fett von Vorteil ist

Mitte November bis Ende Februar verkriechen sich die Mausohren einzeln oder in Gruppen in störungsfreie Winterquartiere. In diesen Höhlen, Kellern und Stollen mit konstanter Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit fallen die Tiere in einen Winterschlaf. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, um den kalten und insektenarmen Winter überstehen zu können. Jetzt bedeutet viel Fett eine gute Überlebenschance.

 

Stolze Kolonie in St. Ottilien 

Von den fünf bekannten Mausohr-Quartieren im Kanton Luzern darf sich St. Ottilien sehen lassen: der tendenziell stabilen Kolonie gehören rund 500 erwachsene Tiere an. Ein Teil davon bringt jährlich ein Junges zur Welt. Fliegt der Nachwuchs Ende Juli/Anfangs August mit den Müttern auf Nahrungssuche, kann die Individuenzahl auf stolze 700 ansteigen.

 

 

Das Grosse Mausohr (myotis myotis) in Zahlen

 

Grösste einheimische Fledermausart

Spannweite: 35-45 cm

Gewicht: 20–40g

Durchschnittsalter: 2-4 Jahre

Dokumentiertes Höchstalter: 22 Jahre

 

 

Zu Besuch bei den Mausohren in St. Ottilien

Seit 2007 ermöglichen drei Kameras im Estrich der Kapelle einen Live-Einblick in die Wochenstube. Ein Monitor beim Pilgerstübli St. Ottilien überträgt das Geschehen im Estrich und Informationen zur Kolonie. Auch via Youtube kann das Leben im Estrich verfolgt werden. Mausohr Kolonie St. Ottilien   

 

Haben Sie Interesse an informativen Präsentationen zur Mausohrkolonie? Möchten Sie eine abendliche Ausflugsbeobachtung bei der Kapelle St. Ottilien miterleben? 

Melden Sie sich bei den Quartierbetreuenden Madeleine und Bruno Studer, Ruswil. 

041/ 495 26 19 oder 077/ 442 98 01, mabrustuder@sunrise.ch  

 

Links 

Stiftung zum Schutze unserer Fledermäuse in der Schweiz (SSF) www.fledermausschutz.ch 

Luzerner Fledermausschutz www.fledermaus.info/Luzern