Kapelle

Die barocke Wallfahrtskapelle aus dem Jahr 1669 ist ein aussergewöhnliches Bauwerk. Als reiner Zentralbau erhebt sie sich über einem Oktogon und wirkt wie eine monumentale Anlage im Kleinen. Gebaut wurde sie auf Veranlassung der Luzerner Patrizierfamilie (Pfyffer-) Feer zu Buttisholz, Bauleiter und Architekt war der Stadtluzerner Patrizier Jost Melchor zur Gilgen. Die Wallfahrtskapelle St. Ottilien wird als Ort der Stille und Spiritualität geschätzt. Sie ist der heiligen Ottilia geweiht. Die vielen Votivgaben im Innern der Kapelle zeugen von zahlreichen Gebetserhörungen.

Ottilia lebte 661 – 720 im Elsass. Sie war hoher Abstammung, wurde blind geboren und bei der Taufe sehend, weshalb sie als Patronin für gutes und gesundes Augenlicht verehrt wird. Ihr Namenstag wird an ihrem Todestag am 13. Dezember gefeiert.

In der Kapelle werden Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen, Rosenkranzgebete, Lesungen und Konzerte gehalten. Der Augensegen mit der Reliquie der heiligen Ottilia wird nach jedem Gottesdienst erteilt.


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Die Baugeschichte & Architektur

Die Wallfahrtskapelle St. Ottilien wurde 1669 im Auftrag der Schlossherrschaft von Buttisholz erbaut. Über dem Rundportal überliefert die Inschrift das Baujahr: SANCTAE OTHILIAE VIRGINI DICATUM ANNO MDCLXIX. Als Architekt wirkte der Luzerner Patrizier Jost Melchior zur Gilgen. Die Kapelle hat zwei Vorgängerkapellen von 1500 und 1581. Der Erbauer von Schloss Buttisholz und Tagsatzungsabgeordnete Lüpold Feer stiftete 1563 ein Glöcklein für die Kapelle. 1572 wurde eine Bruderschaft für den Kapellenunterhalt ins Leben gerufen. 1581 erbauten Konrad und Sebald Imbach die (zweite) Kapelle.
1924 unter Architekt Adolf Gaudy und 1985/86 unter Architekt Moritz Raeber wurde die Kapelle gründlichen Restaurierungen unterzogen, die während 9 Teilrenovationen in den Jahren 1746, 1798, 1820, 1826, 1832, 1896, 1912, 2011 und 2024 stattfanden.

Quellen: Schweiz. Kunstführer zur Kapelle St. Ottilien, 1989 / Kupferplatte im Turm, 1669

 

Die Architektur der Kapelle

Die Kapelle ist ein reiner Zentralbau mit vertikaler Achse. Vier Rechteckarme, dreiseitig abgeschlossen, bilden um einen Achteckkern (Oktogon) ein griechisches Kreuz. Der westliche Vorbau mit drei rundbogigen Zugängen dient als Vorzeichen, die drei übrigen als Altarapsiden. 16 m x 16 m bei einer Höhe von ebenfalls 16 m und 8 m Abschlusshelm entsprechen einem klassischen Kanon. Abgewalmte, kielbogig geschwungene Verdachungen verbinden die Flügel mit dem Kuppeldach, aus der eine Oktogonallaterne über einem geschweiften Zwischendach verjüngt sich wiederholt und in schlankem Spitzhelm mit Kugel und Kreuz ausmündet. Der Gegensatz des streng-statischen Unterbaues und der frei-dynamische Dachkomposition ergibt eine seltene Augenweide des zierlichen Barockbaus. Die beiden kreisrunden Öffnungen seitlich der Eingangstür können als Augen-Symbole aufgefasst werden. Der Innenraum überrascht mit seinen Ausrundungen und seinem Lichtspiel. Eine zweiläufige, von gedrechselten Rundstäben begleitete Treppe führt zum Sakristeiraum über dem Eingangsportal. Die zierlichen Rokokostuckaturen, 1746 von Josef Meusberger gefertigt, sind seit 2011 wieder farbig. Die Reliefkartusche im Gewölbescheitel zeigt den Ort, auf den der Gnadenstrahl Gottes mit einem Augenpaar aus dem Himmelsgewölk fällt.


Quelle: Schweiz. Kunstführer zur Kapelle St. Ottilien, 1989

 

Die Glocken von St. Ottilien

Im Turm der St. Ottilien-Kapelle hängen drei Glocken an Holzjochen, die 1958 elektrifiziert wurden. Die grosse Glocke, Durchmesser 49 cm, ist der Muttergottes geweiht. Sie stammt aus dem Jahre 1844. Sie tönt auf den Ton a, läutet am Morgen, Mittag und Abend, ruft zum Gebet und schlägt Stunde, Halb- und Viertelstunde.
Die mittlere der drei Glocken, Durchmesser 42 cm, wurde anlässlich der Restaurierung 1986 aufgezogen. Sie tönt auf den Ton h und ertönt zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit. Die Aufschrift lautet: „Heiligste Dreifaltigkeit – des Glaubens Lichtstrahl uns verleih“. Das Dreifaltigkeitsglöcklein ist eine Gabe von Josef und Rita Buck-Vonarburg, Grabe, Buttisholz.
Die kleinste der drei Glocken, das St. Ottilienglöcklein, stammt aus dem Jahre 1563, Durchmesser 33 cm, und ist eine Gabe des damaligen Schlossherrn Lüpold Feer. Die Glocke tönt auf den Ton d.

Quelle: Glocken in St. Ottilien, 1986/2011.

Der Kapellenweg der Luzerner Landschaft

Der Kapellenweg der Luzerner Landschaft ist ein Wallfahrtsweg, ein Wanderweg der speziellen Art, dem Thema Kirchen und Kapellen gewidmet. Er verbindet insgesamt 17 Kirchen und Kapellen von Hellbühl bis Ettiswil. St. Ottilien liegt in der Mitte der Wegstrecke. Diese sakralen Bauten stehen an der alten, historischen Verkehrsader Luzern – Aarburg. Auf deren Pfaden, teils römischen Ursprungs, nahmen Personen, Waren, Wissen und Informationen ihren Lauf und Gang. Geld und Gut, Freud und Leid wurden auf diesem Weg transportiert, ausgetauscht und Menschen und Gott mitgeteilt. Die Bauwerke sind Zeugen der damaligen Kultur und gelebter Volksfrömmigkeit. Die Wegstrecke von Hellbühl – St. Ottilien – Ettiswil beträgt ca. 20 km.

Quelle: Faltprospekt Kapellenweg; 2006

Die Heilige Ottilia

Die heilige Ottilia ist Patronin für gutes und gesundes Augenlicht. Sie wurde als blinde Tochter des herzoglichen Elternpaares Adalrich und Bereswinda im Jahre 657 n.Chr. auf dem Schloss Hohenburg, südwestlich von Strassburg, geboren. Der Vater war ein entschlussfreudiger und aufbrausender Mann; die Mutter eine edle, demütige Adelsfrau. Auf dem Schloss fehlte nichts. Reichtum, Macht und Ansehen waren in hohem Masse vorhanden. Die Blindgeburt seiner Tochter Ottilia kränkte den ehrgeizigen Vater sehr. Er wollte die Tochter töten oder sie doch mindestens nie mehr wiedersehen.

Die Mutter versteckte das Kind. Es kam zu einer Amme und von dort ins Frauenkloster Baume in der Nähe von Besançon. Der heilige Eberhard, Abt von Ebersmünster an der Ill, taufte die blind geborene Herzogstochter auf den Namen Ottilia. Mit der Taufe wurde sie – so die Legende - sehend. Ottilia heisst: "Tochter des Lichtes".

Gegen den Widerstand des Vaters holte dessen Lieblingssohn seine Schwester Ottilia auf das Schloss zurück. Liebevoll tat Ottilia den Armen und Kranken Gutes. Ottilias Vater enterbte sie, als er sie gegen ihren Widerstand verehelichen wollte. Ottilia floh und wurde Nonne. Sie betete in der Einsamkeit für ihren verblendeten Vater. Er bekehrte sich und liess seine Tochter auf dem Schloss Hohenburg ein Nonnenkloster gründen. Als dieses nicht mehr ausreichte, stiftete die heilige Ottilia das Kloster Niedermünster am Fuss des Odilienberges im Elsass. Beiden Klöstern stand sie als Äbtissin bis zu ihrem Tode um 720 vor.

Die heilige Ottilia ist die Landespatronin des Elsasses.

 

Augensegen

Vertrauende Pilger und Mitmenschen suchen bei der heiligen Ottilia, Patronin der Augenleidenden und Blinden, Rat und Hilfe. Das Wallfahren zu ihr ist immer noch beliebt. Regelmässig wird mit einem Kreuz, das eine Reliquie der heiligen Ottilia enthält, der Augensegen erteilt. Er ist heute noch bei Personen aus nah und fern sehr geschätzt. Der Priester legt das Kreuz zuerst auf die Stirn des Bittenden und spricht folgendes Gebet:

"Auf die Fürbitte der heiligen Ottilia helfe dir Gott. Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Der Augensegen ist bis heute von Personen aus nah und fern sehr geschätzt.

 

Hochzeiten & Taufen

Die St. Ottilien-Kapelle ist beliebt für Hochzeiten, Taufen, Konzerte mit bis zu 50 Personen. Für Anmeldungen, Reservationen und Auskünfte melden Sie sich bei der Pfarrei St. Verena in Buttisholz (Telefon 041 928 11 20 oder buttisholz@pastoralraum-im-rottal.ch).


Zur Kapelle gehören das Pilgerstübli und das Waschhüsli in unmittelbarer Nähe. Sie können für Apéros und/oder Familienfeiern gemietet werden. Das Pilgerstübli-Team bedient Sie gerne und erfüllt die kulinarischen Wünsche. Melden Sie sich mit dem Kontaktformular.

 

Geistliche Betreuung

Die geistliche und liturgische Betreuung der St. Ottilien-Kapelle obliegt dem Kapellenrektor, Beat Kaufmann, Priester des Pastoralraumes im Rottal, 6153 Ufhusen, Telefon 079 486 42 63, beat.kaufmann@pastoralraum-im-rottal.ch


Veranstaltungen

Gottesdienst mit Augensegen (14:30 Uhr Rosenkranzgebet)
Mi 16.09.2026 15:00 - 16:00
Bettagskonzert in der Kapelle mit Luzerner Länderband von Claudia Muff
So 20.09.2026 18:00 - 19:00
Gottesdienst mit Augensegen (14:30 Uhr Rosenkranzgebet)
Mi 07.10.2026 15:00 - 16:00
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